Wohn- und Geschäftshaus fachkundig saniert

Fassade Bredeneyerstraße in Essen

Der Altbau an der Bredeneyer Straße aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stand schon lange leer. Die Gaststätte im Erdgeschoss, einst beliebter Treffpunkt für die Menschen der Umgebung, blieb geschlossen und die beiden darüber liegenden Geschosse unbewohnt. Dieses Haus in bester Lage im Essener Süden wiederzubeleben reizte den Garten- und Landschaftsbauer Jörg Handke so sehr, dass er zusammen mit Ute Steilmann eine Immobiliengesellschaft gründete, das Gebäude kaufte und vom Essener Architekten Jörg Claßen umbauen ließ.

 

Der Bauherr wünschte sich eine Renovierung und Revitalisierung des Gebäudes unter historischen Gesichtspunkten: Die schöne Stuckfassade sollte ebenso erhalten bleiben wie eine alte Stahlstütze, Friese und Stuckelemente im Innenbereich. Dazu kamen die Anforderungen der Stadt, dass das Gebäude auch künftig zu 50 Prozent zu gewerblichen und zu 50 Prozent zu Wohnzwecken genutzt werden solle. „Um das Erdgeschoss gewerblich nutzen zu können, war jedoch die Eingangssituation zu eng und die Fenster viel zu klein. Es war also notwendig, massive Veränderungen an der Erdgeschoss-Fassade vorzunehmen“, erklärt Dipl.- Ingenieur Architekt Jörg Claßen. So fasste er in seinem Entwurf die nebeneinanderliegenden kleinen Fenster zu einer großen Schaufensteranlage zusammen und versah sie mit einem Stichbogen. Den Eingang öffnete er mit einer Automatik-Schiebetüranlage mit zwei feststehenden Seitenteilen über eine Breite von fünf Metern. Eine harmonische Änderung, die aber einen großen Eingriff in Optik und Statik nach sich zog. Einen Eingriff, den die Stadt jedoch genehmigte, da er das Gebäude insgesamt aufwertete und nur so eine gewerbliche Nutzung nach aktuellem Standard möglich war. Für diese attraktive, 150 m2 große Erdgeschoss- Fläche fand sich entsprechend schnell ein Mieter – der Hörgeräte-Akustiker Dirk Kampmann von Gegenüber nutzte die Chance auf großzügigere Räumlichkeiten.

Für ihn übernahm Jörg Claßen die komplette Gestaltung der Innenräume inklusive aller Einbauten und Möbel. Einladend, hell und freundlich ist die Atmosphäre. Die Kombination aus modernem Mobiliar mit der alten Stahlstütze, dem neu aufbereiteten Stuck und dem Holzparkett wirkt sehr harmonisch. Aber auch funktional geht die Planung auf: es gibt einen gesonderten, anziehend gestalteten Wartebereich für Kinder, einen ruhigeren Wartebereich für Kunden ohne Kinder, eine zentrale Theke und drei Schalldichte Kabinen für diskrete Beratungsgespräche. „Damit die Kunden sich aber keinesfalls abgeschottet fühlen, haben die Kabinen jeweils ein Fenster nach draußen und sind auch miteinander über ein Fenster verbunden“, erklärt Claßen. Sozial- und Technikräume befinden sich im hinteren Teil des Geschäftes.

Im ersten Obergeschoss ist eine neue Büroetage entstanden. Zur Hälfte wird diese ebenfalls durch Dirk Kampmann genutzt, die andere Hälfte wurde von einer Agentur angemietet. Aus dem ehemaligen Dachgeschoss entwickelte der Architekt in Kombination mit dem Spitzboden zwei je 106 m2 große, offen gestaltete Maisonette-Wohnungen. Auch hier wurde beim Ausbau auf Komfort geachtet: Die Böden in den Wohnräumen sind mit Massivholz-Parkett belegt, die Bäder haben Feinsteinzeugböden und großformatige Fliesen, eines der Bäder verfügt über eine großzügige Dreiecksbadewanne. Auch von außen ist das alte Gebäude wieder ein Hingucker: „Das Erdgeschoss haben wir im sogenannten Bossenputz aufgearbeitet wie er typisch für den Klassizismus und die Gründerzeit war. Dazu haben wir eine minimale Wärmedämmung eingearbeitet, damit die Stuckelemente an den Fenstern sichtbar bleiben“, erklärt der Architekt, der durch seine jahrelange Arbeit in den neuen Bundesländern viel Erfahrung für die Restaurierung alter Gemäuer mitbringt. Und die war auch von Nöten, denn im Dachstuhl gab es einige marode Stellen, die es zu sanieren galt. Hilfreich waren hier, wie auch für den Innenausbau, die eigenen Zimmerer von Gärtner und Landschaftsbauer Jörg Handke. In Sachen Gartengestaltung allerdings, konnten Sie bei diesem Objekt nicht aktiv werden, denn der ist nur 4,5 m2 groß, da das alte Gebäude direkt auf die Grenze gebaut wurde.

Quelle: CUBE Das Magazin für Architektur und modernes Wohnen und Lebensart für Essen und das westliche Ruhrgebiet

Fotos: Frank Mohn

Hier können Sie sich den Original-Artikel als PDF herunterladen.